Traumafolgestörung: Symptome, Ursachen & Therapie in München

Ein belastendes Erlebnis hinterlässt nicht immer sichtbare Spuren. Manchmal wirkt es lange nach, ohne dass Betroffene den Zusammenhang sofort erkennen. Schlafstörungen, innere Anspannung, Rückzug oder plötzliche Erinnerungen an das Erlebte können erste Hinweise auf eine Traumafolgestörung sein.
In unserer Praxis für Psychotherapie in Ottobrunn bei München unterstützen wir Sie dabei, belastende Erfahrungen zu verarbeiten und wieder mehr Sicherheit im Alltag zu finden. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Geschichte und begleiten Sie mit Ruhe und Fachwissen durch den Behandlungsprozess.

Was ist eine Traumafolgestörung?

Eine Traumafolgestörung entsteht, wenn ein oder mehrere belastende Ereignisse psychisch nicht ausreichend verarbeitet werden konnten. Das Erlebte bleibt dann nicht als abgeschlossene Erinnerung bestehen, sondern beeinflusst weiterhin das Denken, Fühlen und Verhalten der betroffenen Person.

 

Typisch sind wiederkehrende Bilder oder Gefühle, die dem ursprünglichen Erlebnis entsprechen, sowie ein Nervensystem, das dauerhaft auf erhöhter Wachsamkeit verbleibt. Auch scheinbar unbedeutende Situationen können dann eine starke innere Reaktion auslösen, ohne dass die Person diese Reaktion bewusst steuern kann.

Traumafolgestörungen entwickeln sich nicht bei jedem Menschen, der ein belastendes Ereignis erlebt hat. Ob sich eine solche Störung ausbildet, hängt von mehreren Faktoren ab: der Art und Dauer des Ereignisses, der individuellen Verarbeitungsfähigkeit sowie der Unterstützung, die eine Person im Anschluss erfährt. Fehlt diese Unterstützung oder war die Belastung besonders schwer oder wiederholt, steigt das Risiko einer Traumafolgestörung deutlich.

Trauma-Typ 1 und Typ 2: Definition & Unterschiede

Um die Entstehung von Traumafolgestörungen besser zu verstehen, wird in der Fachliteratur zwischen zwei Trauma-Typen unterschieden.
 Typ-1-TraumaTyp-2-Trauma
VerlaufEinzelnes, zeitlich begrenztes EreignisWiederholte oder andauernde Belastung
BeispieleSchwerer Unfall, Überfall, NaturkatastropheLangjährige häusliche Gewalt, Vernachlässigung in der Kindheit, anhaltender Missbrauch
ReaktionTritt meist unmittelbar ein, lässt sich häufig einem klaren Auslöser zuordnenEntwickelt sich schleichend, oft ohne einen einzelnen klar abgrenzbaren Auslöser
Psychische FolgenMeist klar umrissenHäufig komplexer, mit tiefgreifenden Veränderungen im Selbstbild, in Beziehungen und in der Emotionsregulation
Diese Unterscheidung ist für die Behandlung bedeutsam. Während bei einem Typ-1-Trauma häufig eine fokussierte Traumatherapie ausreicht, benötigt die Aufarbeitung eines Typ-2-Traumas in der Regel mehr Zeit und einen breiteren therapeutischen Ansatz, der auch grundlegende Beziehungs- und Selbstwertthemen berücksichtigt.

Welche Arten von Traumafolgestörungen gibt es?

Traumafolgestörungen zeigen sich nicht bei allen Betroffenen auf dieselbe Weise. Je nach Art, Dauer und Zeitpunkt der belastenden Erfahrung entwickeln sich unterschiedliche Erscheinungsformen.

Komplexe Traumafolgestörung

Die komplexe Traumafolgestörung entsteht meist nach wiederholten oder lang andauernden traumatischen Erfahrungen, häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter. Neben den klassischen Symptomen einer Belastungsstörung zeigen sich zusätzlich ausgeprägte Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, im Selbstbild und in zwischenmenschlichen Beziehungen. Betroffene erleben sich selbst oft als wertlos oder beschädigt und haben Mühe, tragfähige Beziehungen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten.
Bei dieser Form reagiert die Psyche auf die Überforderung durch das Trauma mit einer Art innerer Abspaltung. Betroffene erleben Momente, in denen sie sich von sich selbst, ihrem Körper oder ihrer Umgebung distanziert fühlen. Auch Erinnerungslücken oder das Gefühl, wie neben sich zu stehen, können auftreten. Diese Schutzreaktion war ursprünglich sinnvoll, um die Situation auszuhalten, wird im Alltag jedoch häufig als belastend erlebt.
Erfahren Kinder bereits früh wiederholte Belastungen, etwa durch Vernachlässigung oder unsichere Bindungsverhältnisse, kann sich eine entwicklungsbezogene Traumafolgestörung ausbilden. Da das Trauma in einer Phase auftritt, in der sich zentrale psychische Strukturen erst ausbilden, wirkt es sich häufig grundlegend auf die spätere Persönlichkeitsentwicklung, die Emotionsregulation und die Fähigkeit zur Beziehungsgestaltung aus.

Symptome und Anzeichen einer Traumafolgestörung

Die Symptome einer Traumafolgestörung sind vielfältig und betreffen Körper, Gefühlsleben und Verhalten gleichermaßen.

Körperliche Anzeichen

Wenn Sie mehrere dieser Anzeichen bei sich wiedererkennen, kann ein Erstgespräch in unserer Praxis in Ottobrunn bei München erste Klarheit schaffen. Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen, ob eine Traumafolgestörung vorliegt und welche Unterstützung sinnvoll ist.

Diagnose und Diagnostik von Traumafolgestörungen

Eine sorgfältige Diagnostik ist die Grundlage jeder wirksamen Behandlung. In ausführlichen Gesprächen erfassen wir Ihre Lebensgeschichte, die aktuelle Symptomatik und deren zeitlichen Verlauf. Ergänzend können strukturierte Fragebögen oder klinische Interviews zum Einsatz kommen.


Ziel ist es, ein umfassendes Bild Ihrer individuellen Situation zu gewinnen, nicht eine schnelle Einordnung. Dazu gehört auch die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen sowie die Einschätzung, ob eine einfache oder eine komplexe Traumafolgestörung vorliegt. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie die weitere Behandlungsplanung maßgeblich beeinflusst.


Die diagnostische Einordnung erfolgt nach anerkannten Klassifikationssystemen wie der ICD-10, der neueren ICD-11 oder dem DSM-5. Für Sie als Betroffene steht dabei jedoch nicht die formale Diagnose im Vordergrund, sondern ein klares Verständnis Ihrer Beschwerden und ein darauf abgestimmter Behandlungsweg.

Traumafolgestörung und andere psychische Erkrankungen

Traumafolgestörungen treten selten isoliert auf. Häufig bestehen gleichzeitig weitere psychische Erkrankungen, die in der Diagnostik und Behandlung mitberücksichtigt werden müssen.

Borderline-Persönlichkeitsstörung: Bei manchen Betroffenen lassen sich traumatische Erfahrungen als möglicher Entstehungsfaktor identifizieren, insbesondere bei anhaltenden Belastungen in der Kindheit.

Depression: Anhaltende Anspannung und Hilflosigkeit können auf Dauer die Stimmung belasten, sodass Depressionen häufig als Begleiterkrankung auftreten.

ADHS: Es wird diskutiert, inwieweit frühe traumatische Erfahrungen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten verstärken oder mit diesen verwechselt werden können. Eine sorgfältige Abgrenzung ist hier besonders wichtig.

ADHS

Autismus, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen und Essstörungen: Auch hier kann eine zusätzliche Traumafolgestörung vorliegen.

In der Diagnostik prüfen wir daher immer, welche Beschwerden ursächlich zusammenhängen und welche eigenständig behandelt werden müssen.