Traumafolgestörung: Symptome, Ursachen & Therapie in München
Was ist eine Traumafolgestörung?
Eine Traumafolgestörung entsteht, wenn ein oder mehrere belastende Ereignisse psychisch nicht ausreichend verarbeitet werden konnten. Das Erlebte bleibt dann nicht als abgeschlossene Erinnerung bestehen, sondern beeinflusst weiterhin das Denken, Fühlen und Verhalten der betroffenen Person.
Typisch sind wiederkehrende Bilder oder Gefühle, die dem ursprünglichen Erlebnis entsprechen, sowie ein Nervensystem, das dauerhaft auf erhöhter Wachsamkeit verbleibt. Auch scheinbar unbedeutende Situationen können dann eine starke innere Reaktion auslösen, ohne dass die Person diese Reaktion bewusst steuern kann.
Trauma-Typ 1 und Typ 2: Definition & Unterschiede
| Typ-1-Trauma | Typ-2-Trauma | |
|---|---|---|
| Verlauf | Einzelnes, zeitlich begrenztes Ereignis | Wiederholte oder andauernde Belastung |
| Beispiele | Schwerer Unfall, Überfall, Naturkatastrophe | Langjährige häusliche Gewalt, Vernachlässigung in der Kindheit, anhaltender Missbrauch |
| Reaktion | Tritt meist unmittelbar ein, lässt sich häufig einem klaren Auslöser zuordnen | Entwickelt sich schleichend, oft ohne einen einzelnen klar abgrenzbaren Auslöser |
| Psychische Folgen | Meist klar umrissen | Häufig komplexer, mit tiefgreifenden Veränderungen im Selbstbild, in Beziehungen und in der Emotionsregulation |
Welche Arten von Traumafolgestörungen gibt es?
Komplexe Traumafolgestörung
Dissoziative Traumafolgestörung
Entwicklungsbezogene (entwicklungsbedingte) Traumafolgestörung
Symptome und Anzeichen einer Traumafolgestörung
Körperliche Anzeichen
- Schlafstörungen und häufiges nächtliches Erwachen
- Innere Unruhe und erhöhte Schreckhaftigkeit
- Kopfschmerzen und Verspannungen
- Ein dauerhaft erhöhter Anspannungszustand, obwohl keine akute Gefahr mehr besteht
Psychische und emotionale Symptome
- Wiederkehrende, belastende Erinnerungen in Form von Gedanken, Bildern oder Albträumen
- Gefühle von Angst, Hilflosigkeit oder innerer Leere
- Anhaltend gedrückte Stimmung
- Gefühl von emotionaler Taubheit
Verhaltensbezogene Anzeichen
- Rückzug aus sozialen Kontakten
- Vermeidung von Orten oder Situationen, die an das Trauma erinnern
- Erhöhte Reizbarkeit oder plötzliche Wutausbrüche
- Ausgeprägtes Kontrollbedürfnis
Diagnose und Diagnostik von Traumafolgestörungen
Eine sorgfältige Diagnostik ist die Grundlage jeder wirksamen Behandlung. In ausführlichen Gesprächen erfassen wir Ihre Lebensgeschichte, die aktuelle Symptomatik und deren zeitlichen Verlauf. Ergänzend können strukturierte Fragebögen oder klinische Interviews zum Einsatz kommen.
Ziel ist es, ein umfassendes Bild Ihrer individuellen Situation zu gewinnen, nicht eine schnelle Einordnung. Dazu gehört auch die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen sowie die Einschätzung, ob eine einfache oder eine komplexe Traumafolgestörung vorliegt. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie die weitere Behandlungsplanung maßgeblich beeinflusst.
Die diagnostische Einordnung erfolgt nach anerkannten Klassifikationssystemen wie der ICD-10, der neueren ICD-11 oder dem DSM-5. Für Sie als Betroffene steht dabei jedoch nicht die formale Diagnose im Vordergrund, sondern ein klares Verständnis Ihrer Beschwerden und ein darauf abgestimmter Behandlungsweg.
Traumafolgestörung und andere psychische Erkrankungen
Borderline-Persönlichkeitsstörung: Bei manchen Betroffenen lassen sich traumatische Erfahrungen als möglicher Entstehungsfaktor identifizieren, insbesondere bei anhaltenden Belastungen in der Kindheit.
Depression: Anhaltende Anspannung und Hilflosigkeit können auf Dauer die Stimmung belasten, sodass Depressionen häufig als Begleiterkrankung auftreten.
ADHS: Es wird diskutiert, inwieweit frühe traumatische Erfahrungen Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwierigkeiten verstärken oder mit diesen verwechselt werden können. Eine sorgfältige Abgrenzung ist hier besonders wichtig.
Autismus, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen und Essstörungen: Auch hier kann eine zusätzliche Traumafolgestörung vorliegen.